Auf Tour im Narzissendorf

Vergangenes Wochenende waren wir (Christoph, Raphi, Martin) wieder unterwegs, diesmal im Gemeindegebiet von Seewis. Unsere Unterkunft war die traumhaft gelegene Schesaplanahütte mit wunderschönem Ausblick ins Bündnerland und dem imposanten Schesaplana-Massiv im Rücken.

Am Samstag wurden wir von Peter Aebli und Heinrich Hilty begleitet. An dieser Stelle möchten wir uns bei Peter Aebli, der Gemeinde Seewis im Prätigau und dem Kur- und Verkehrsverein Seewis für die Unterstützung bedanken. Bei regnerischem Wetter gings Richtung Vals, wo Heini uns gleich zu zwei Alpwüstungen mit dazugehörigem Kalkbrennofen führte. Danach gingen wir drei weiter zur Golrosa-Hütte. Da Heinrich uns von Hüttengrundrissen auf der anderen Seite des kleinen Jochs erzählt hatte, begaben wir uns natürlich auf die Suche, auch wenn dieses Gebiet nicht mehr wirklich zum Naafkopfgebiet gezählt werden kann – wir kamen schliesslich fast bis zum Schweizer Tor! Aber die drei aufgefundenen und dokumentierten Alpwüstungen waren es definitiv wert. Völlig durchnässt kamen wir am Abend in der Schesaplanahütte an, das Feierabendbier hatten wir uns redlich verdient!

Am nächsten Tag stiegen wir bei schönem Wetter zur ehemaligen Schesaplanahütte/Hoch Schamälla auf. Diese Hütte wurde Ende des 19. Jh. vom Schweizer Alpen-Club errichtet, aber schon nach etwa 10 Jahren wieder aufgegeben. Dank Heinrich haben wir auch das Hütteninventar bei der Auflassung der Hütte – ein spannendes Stück Alpingeschichte!
Nach einem kleinen Umweg und einer Alpwüstung trafen wir wieder auf Heinrich, der uns noch einen Kalkbrennofen und drei Alpwüstungen zeigte.

Abschliessend möchten wir uns sehr herzlich bei Heinrich Hilty bedanken, der uns beide Tage begleitet und uns als wohl ortkundigster Seewiser sehr geholfen hat. Jede Gemeinde kann sich glücklich schätzen, so jemanden zu haben, der dermassen viel über die Geschichte der Gemeinde und der Alpwirtschaft sammelt und weiss wie Heini!

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Neues zum Hüttleboda

Kurzmitteilung

Die Grabung am Hüttleboda ist abgeschlossen. Eines vorweg: Wir sind zufrieden!

Von Dienstag bis Sonntag sind wir jeden Morgen mit vollen Rucksäcken von unserer Unterkunft, der Bergrettungshütte im Gamperdonatal, zum Hüttleboda gegangen. Etwa 450 Höhenmeter. Das verzögerte den Grabungsbeginn leider ein wenig. Grabungsende um 5, danach wieder der Abstieg, warmes Essen und die verdiente Dusche gabs dann natürlich erst um 7. Die Dusche hatten wir auch nötig, da es Rekordtemperaturen hatte.

Für die Grabung haben wir das Gebäude ausgewählt, in dem letztes Jahr im Sondageschnitt die Holzkohle zum Vorschein kam. Die datiert, wie schon erwähnt, ins 11./12. Jahrhundert n. Chr. (an dieser Stelle herzlichen Dank an die ETH Zürich für die C14-Datierung!). Die Datierung wär somit grob geklärt, aber die Funktion ist immer noch nicht ganz sicher. Alpe oder doch Bergbau? Oder Beides?

Erster Schrit: das Innere des Gebäudes vom Humus und Versturz befreien, dabei finden wir schon einige Knochen. Immer tiefer graben wir, dabei kommen auch einige nette Funde zu Tage: 2 Lavezfragmente, 2 Keramikfragmente, einige Eisenfunde und natürlich Knochen. Viele Knochen. Und natürlich viel Holzkohle. Einige Holzkohlestücke sind noch so gut erhalten, dass wir sie hoffentlich dendrodatieren können. Damit erhoffen wir uns ein noch genaueres Datum des Hüttlebodas.

Eines steht fest: wir haben keinen archäologischen Hinweis auf Bergbau bzw. Verhüttung gefunden. Wir können also den von historischer Seite her vermuteten Bergbau auf dem Hüttleboda archäologisch nicht nachweisen – was natürlich nicht ausschliesst, dass hier Bergbau betrieben wurde. Wir tendieren jedoch eher in die Richtung, dass wir es hier mit einer hochmittelalterlichen Alpe zu tun haben. Ein toller Befund, die älteste belegte Alpe im Nenzinger Gebiet!

Am Samstag war ausserdem „Tag der Archäologie“, der leider etwas schwach besucht war – aber wer kann es den Leuten bei dieser Hitze verübeln, ehrlich gestanden wären wir auch lieber im Schwimmbad gewesen…

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Finale

Mit dem Finalspiel zwischen Spanien und Italien ging die EM in Polen und der Ukraine am Sonntag zu Ende. Gleichzeitig geht auch unsere diesjährige Forschungskampagne, die im Übrigen mindestens genauso erfolgreich war wie die siegreichen Spanier, in ihre finale Etappe. Gestern brachen wir in Richtung Liechtenstein auf.
Mit der Sesselbahn – nach all den zurückgelegten Höhenmetern sei uns auch mal etwas Faulheit gegönnt – fuhren wir von Malbun aus nach Sareis. Ziel war es, die bereits im Vorjahr erstmals entdeckten Gebäudestrukturen wenige Höhenmeter unterhalb der Bergstation Sareis, in Richtung Gamperdonatal, genau zu erfassen und zu dokumentieren. Von der Ferne aus waren schon auf der nach Nordosten orientierten Geländeterrasse zahlreiche Strukturen erkennbar. Die als Gebäudegrundrisse identifizierten Befunde hoben sich durch den unterschiedlichen Bewuchs und die muldenartigen Vertiefungen deutlich von der Umgebung ab. Im Rahmen unserer Begehung konnten oberflächlich insgesamt 24 Gebäudestrukturen erfasst werden (wir haben uns also im Vergleich zum letzten Jahr, als wir bei einer schnellen Begehung 10-12 Gebäude erkannten, wesentlich gesteigert). Die Kernzone wird dabei von 16 Bauten gebildet, deren Grundmauern jeweils nur noch wenige Steinlagen hoch erhalten geblieben sind. Einige Gebäude sind gar nur noch als Negativ erkennbar. Ob die anderen acht Gebäude, die etwas weiter nördlich bzw. südlich des als Kernzone definierten Areals gefunden wurden, mit eben jenen Bauten direkt in Verbindung gebracht werden können oder aus einer früheren und/oder späteren Phase stammen, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau feststellen. Aussagen über die ursprüngliche Funktion und das Alter dieser Anlagen lassen sich im Moment ebenso wenig treffen. Eine gezielte Grabungskampagne könnte diese offenen Fragen sehr wahrscheinlich beantworten. Unsere umfangreichen Vermessungs- und Dokumentationsarbeiten bieten jedenfalls gute Ausgangsbasis für zukünftige Forschungen.
Heute nahmen wir von Steg aus noch das Valüna-Tal in Angriff. Sofern das Wetter morgen mitspielt möchten wir auch noch Valorsch genauer unter die Lupe nehme, sodass sich dann der erweiterte Kreis – oder vielmehr die Ellipse – um den Naafkopf schließt.

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and again: mysterious hüttleboda

Kaum ist Thomas zurück nach Chur, hat sich auch wieder der Regen eingestellt. Deswegen sind wir am Montag erst am Nachmittag ins Gamperdonatal aufgebrochen, wo wir, wie auch letztes Jahr, unser Quartier in der Hütte der Bergrettung Nenzing bezogen haben.

Heute, Dienstag, haben wir unser Grabungsmaterial zum Hüttleboda geschleppt. In der diesjährigen Grabung wollen wir die Untersuchungen des letzten Jahres fortführen und so die Funktion dieser, auf 1770 Höhenmeter gelegenen Anlage klären. Die Datierung der Holzkohleproben ergab eine kleine Überraschung: 1000-1200 n.Chr., die Gebäude auf dem Hüttleboda sind also doch älter, als wir es angenommen haben.

Wie auch letztes Jahr hat es heute auf dem Hüttleboda teilweise geregnet. Die 12 Hirsche, die in etwa 50m Entfernung an uns vorbeigezogen sind und uns kaum beachtet haben, haben das schlechte Wetter ein wenig wett gemacht. Ausserdem soll ab morgen die Sonne scheinen!

Am Abend hat uns Alexander Kurz von Leica Geosystems besucht und uns das DGPS vorbei gebracht, mit dem wir die Befunde vom Hüttleboda und unterhalb Sareis genau vermessen wollen. Vielen Dank an dieser Stelle an Alex und Leica für die Unterstützung!

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Tag der Archäologie am Samstag, 30. Juni

Auch dieses Jahr stehen wir den Besuchern des Tags der Archäologie wieder gerne für Fragen zur Verfügung. Wir werden dabei auf die Ergebnisse der letztjährigen Grabung auf dem Hüttleboda eingehen und natürlich auch Einblicke in die aktuelle Grabung sowie die vorläufigen Ergebnisse auf der liechtensteinischen und schweizerischen Seite des Naafkopfs geben.

Tag der Archäologie
30. Juni, 10:00 – 14:00
Hüttleboda (oberhalb der Alpe Güfel, ca. 1,5h Gehzeit vom Nenzinger Himmel aus)

Siehe auch: http://www.vol.at/nenzing/vergangene-spuren-entdecken/3289603
(vielen Dank an Elke Kager-Meyer von vol.at!)

Bündner Impressionen

Leider hatten wir in der Schweiz doch keinen Internetzugang, deshalb gibts jetzt eine Zusammenfassung der letzten vier Tage (ohne Dusche, dafür mit Dosenfutter!):

Christoph hat sich am Mittwoch leider an der Hand verletzt und musste am Donnerstag Morgen zum Doktor, unsere Abreise verspätete sich deswegen ein wenig. Danach vollbepackt über die Grenze nach Liechtenstein und Raphi in Vaduz abholen. Grosszügigerweise hat Markus Lampert uns seine Hütte auf Ijes zur Verfügung gestellt, an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank, auch für die Hilfe beim Transport zur Hütte! Und natürlich für den guten Wein!

Nachdem wir uns in der kleinen, aber sehr feinen Hütte (1934 Höhenmeter) eingerichtet hatten, haben wir den späten Nachmittag noch ausgenutzt und eine kleine Prospektionstour unterhalb des Barthümeljochs (Übergang ins Gamperdonatal, unser Aufenthaltsort in der nächsten Woche) und im Ijestal unternommen.

Leider hielt der Wetterbericht nicht, was er versprochen hatte. Deshalb gings am Freitag bei Wolken und Nebel ins Seewiser Gebiet, bis nach Fasons. Unterwegs der erste Erfolg: in einer grösseren Blockhalde eine Abrisituation und einen Hüttengrundriss mit Pferch, nicht unweit von Fasons. Da es doch schon etwas spät war, entschlossen wir uns, den Rückweg anzutreten – die Seewiser Seite werden wir diesen Sommer mit Sicherheit nochmals genauer anschauen.  Retour gings via Stürfis Alp. Hier kamen wir an den Grundrissen einer Kapelle (1333-1633) und dreier Hütten vorbei – die sind als Walsergründungen zwar schon bekannt, aber soweit wir wissen noch nicht dokumentiert. Das wird am Sonntag nachgeholt. Insgesamt ca. 12km Distanz, 2000 Höhenmeter – nicht schlecht für einen Tag Prospektion. Den Schnaps am Abend hatten wir uns wirklich verdient!

Dementsprechend lockerer war der Samstag geplant. Im Nebel ins Fläscher Tal, direkt zu den zwei Hüttengrundrissen, die wir schon auf dem Luftbild entdeckt hatten. Bis zur Mittagspause hatten wir sie dokumentiert, dann kam auch schon unser Ehrengast, Thomas Reitmaier. Nicht nur, dass sich jetzt das Wetter verbesserte und wir das wunderschöne Fläscher Tal mit den drei Seen geniessen konnten, kaum war der Leiter des Archäologischen Dienstes Graubünden dabei, gings befundmässig  Schlag auf Schlag: einige Abrisituationen, Gebäudegrundrisse, Ställe, … Daher wurde es gegen Abend zeitlich doch noch etwas knapp, wir hatten ja noch drei Befunde im Ijestal zu dokumentieren: einen Stall, eine Hütte und einen Gebäudekomplex, vermutlich die Vorgänger der Alpe Ijes. Also wurde es doch nix mit dem lockeren Arbeitstag.

Unsere Wetterfee Thomas bescherte uns auch am Sonntag Sonnenschein. Nachdem wir die Hütte durchgeputzt  und unsere Sachen zum Auto getragen hatten (da die Strasse zur Hütte noch nicht ganz geräumt wurde mussten wir die letzten 20min laufen) gingen wir runter nach Stürfis, zur alten Walsersiedlung. Neben der Kapelle dokumentierten wir noch sechs Gebäudegrundrisse (einen davon mit Keller).

Jetzt geniessen wir den Abend im Tal, in der Zivilisation, mit so komischen Dingen wie Dusche, Internet, etc. Zum Glück gehts morgen schon wieder weiter, ins Gamperdonatal aka Nenzinger Himmel! (jetzt sollten die Blogbeiträge auch regelmässiger kommen)

Nochmals vielen Dank an Herrn Lampert für die Schlafmöglichkeit auf seiner tollen Hütte im wunderschönen Ijestal!

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on the road again

Morgen ists wieder so weit. Endlich!

Und wieder wollen wir dieses Gelände, diese Landschaft rund um den Naafkopf entdecken und erforschen. Dabei machen wir etwas ganz gewagtes: wir denken uns die Grenzen weg! Wie war es hier, als noch nicht die Staatsgrenzen von Liechtenstein, Österreich und der Schweiz imaginär die Landschaft trennten? Wie war es hier, als diese Staaten noch nicht einmal existierten, als noch rätoromanisch gesprochen wurde? Und wie war es hier davor?

Dieses Jahr fangen wir auf der Bündner Seite an. Direkt nach dem Viehauftrieb auf die Alpe Stürfis starten wir, allerdings ziehts uns etwas höher hinauf, auf die Alpe Ijes. Der Schnee ist rechtzeitig geschmolzen, der Wetterbericht lässt hoffen. Wir, das sind Raphael Sele, Christoph Walser, Conradin Wahl und Martin Gamon. Auf der Schweizer Seite begleitet uns noch Thomas Reitmaier, der Leiter des Archäologischen Dienstes Graubünden. Wir werden in den nächsten Tagen die Hänge südlich des Naafkopfs nach menschlichen Hinterlassenschaften durchsuchen. Man darf gespannt sein!